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Bundesregierung bremst Heckler & Koch

[Von Financial Times Deutschland, 16:54, 31.07.06]

G36Der Handfeuerwaffenhersteller Heckler & Koch (H&K) bekommt derzeit von der Bundesregierung keine Exportgenehmigung für bereits eingeplante Großaufträge aus dem Mittleren Osten. Sollte die Blockade fortbestehen, werde der Umsatz und Ertrag in diesem Jahr um rund zehn Prozent unter den Planwert sinken.

Dies bestätigte H&K-Finanzvorstand Martin Newton der FTD. H&K nennt weder konkret das Bestimmungsland noch die betroffenen Produkte. Branchenkenner vermuten aber geplante Lieferungen für das Gewehr G36, das bei vielen Streitkräften eingeführt ist. H&K erzielte 2005 rund 157 Mio. Euro Umsatz. Im ersten Halbjahr lag der Erlös rund ein Drittel unter dem Vorjahreswert. Das Unternehmen mit knapp 700 Beschäftigten am Firmensitz in Oberndorf in Baden-Württemberg ist einer der weltweit größten Hersteller von Pistolen und Gewehren. Nach eigenen Angaben nutzen in fast 100 Ländern Militär oder Polizei H&K-Produkte. Das Unternehmen in Privatbesitz ist sehr verschwiegen und veröffentlicht kaum Firmeninformationen. Die Strategie bröckelt aber, seit sich H&K im Jahr 2004 über eine 120-Mio.-Euro-Anleihe Geld am Kapitalmarkt besorgt hatte. Zumindest für Analysten werden einige Details genannt. Gegenüber den Experten hatte H&K auch auf die blockierten Exportgenehmigungen verwiesen.

Veröffentlichungen schaden sensiblen Geschäften

Wie der seit Mitte 2005 amtierende Firmenchef John Meyer, ein Ex-Generalmajor der US-Armee, der FTD sagte, schaden Veröffentlichungen bei den sensiblen Geschäften mit Regierungen. Wettbewerber hätten einen Vorteil, da sie nicht so starken Beschränkungen unterlägen wie H&K in Deutschland. Daher würden keine Informationen an die Presse gegeben. Dies gelte besonders für Rüstungsexporte in den Mittleren Osten bei der aktuellen politischen Lage. Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums wollte zu dem Komplex keine Stellung nehmen. Mit dem Ex-Militär Meyer an der Spitze hofft H&K auf einen besseren Zugang zu Aufträgen der US-Militärs. Zusammen mit dem US-Rüstungskonzern General Dynamics sollte die US-Armee mit dem neuen Waffensystem XM8 ausgerüstet werden, das im Kern auf dem G36-Gewehr von Heckler & Koch basiert. Wie H&K-Chef Meyer sagte, liegt das Projekt derzeit auf Eis. Einen Erfolg kann H&K in Griechenland verbuchen. Die dortige Regierung hat entschieden, mit H&K in Schlussverhandlungen über einen Großauftrag zu treten. Nach Medienberichten sollen 100.000 G36-Gewehre für insgesamt rund 250 Mio. Euro geliefert oder in Lizenz produziert werden. Meyer rechnet damit erste Umsätze ab 2008 erzielen zu können. Das Projekt laufe über zehn Jahre.

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Updated: 10. August 2006 — 16:57
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