RüstungsInformationsBüro

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Leserbrief zum Jubiläumsgipfel der EU

Atombomben über Europa nicht ignorieren

Die Europäische Union ist wirklich eine Erfolgsgeschichte. Die Aussöhnung Frankreichs und Deutschlands, die glimpflich abgelaufene Ablösung der osteuropäischen Länder vom Pseudosozialismus und die Einführung des Euros bilden beeindruckende Wegmarken. Auch für die Schweiz ist die EU eine Erfolgsstory. Die Schweiz, abseits stehend, profitierend, kassierend, beherbergt die Steuerflüchtlinge Europas, was als EU-Mitglied kaum möglich wäre.
Die Schatten Europas darf man jedoch trotz dem 50 Jahr-Jubiläums-Geburtstagskuchen nicht ignorieren. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in vielen Staaten Europas in den letzten Jahren größer geworden. Bei den Gründungsverträgen von 1957 ging es darum, die Länder des Kontinentes in ein gemeinsames, soziales Europa zu integrieren und vor allem Frieden zu schaffen. Nicht zu dieser „Friedensunion“ passen heute die Kriegsmaterialexporte Europas und die zunehmende Militarisierung. Die europäischen Staaten exportieren heute fast soviel Rüstungsgüter wie Russland oder die USA. Grossbritannien besitzt 185 Atombomben und Frankreich 348 nukleare Sprengsätze. In acht Stützpunkten, in sechs Nato-Ländern in Europa, stehen ca. 440 Nuklearbomben bereit zum Einsatz durch Nato oder US-Flugzeuge, wie das Internationale Stockholmer Friedensforschungsinstitut (SIPRI) schreibt. Schrecklich ist die Einsatzdoktrin Frankreichs für Atomwaffen, die ähnlich aussieht wie die der USA. Diese Doktrin sieht den Ersteinsatz von Atombomben vor, um sogenannte Schurken Staaten anzugreifen, die über nukleare, biologische oder chemische Waffen verfügen und die Frankreichs lebenswichtige Interessen bedrohen.
Kinder zahlten den Preis für die europäischen Waffenexporte. Im letzten Jahrzehnt wurden zwei Millionen Kinder in Kriegen getötet, und vier bis fünf Millionen wurden verwundet. Zwölf Millionen Kinder machten die militärischen Konflikte obdachlos und mehr als eine Million Kinder trennte der Krieg von ihren Eltern oder machte sie zu Waisen. Einige zehn Millionen Kinder wurden durch Kriegsereignisse traumatisiert. (Paying the price, How the arms trade impacts on children around the world, www.caat.org.uk)
Heinrich Frei, Zürich

Updated: 27. März 2007 — 11:10
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