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Leserbrief: Schwerter zu Pflugscharen

Heinrich Frei aus Zürich schreibt:

Schwerter zu Pflugscharen

1. Mai in Zürich: Vermummte Krawallbrüder, brennende Autos, eingeschlagene Schaufenster, Verletzte, Verhaftungen, für die Medien dankbare Sujets. Kaum beachtet wurden die kulturellen Veranstaltungen rund um den 1. Mai in Zürich: Musik, Tanz, Vorträge im Kasernenareal. An einer Veranstaltung im alten Zeughaus wurden die Themen Kriegsmaterialexporte und die Umstellung der Rüstungsproduktion auf zivile Fertigung diskutiert. Gerade für Zürich ist diese Frage von grosser Bedeutung, in einer Stadt wo schon für Hitler und Mussolini Kanonen und Granaten fabriziert wurden. Heute liefert Oerlikon-Contraves, eine Firma die jetzt dem deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall gehört, Kanonen und Granaten an Staaten die im Irak und in Afghanistan Krieg führen, an die USA, Grossbritannien und weitere Nato Staaten, auch an Deutschland das jetzt mit Tornado Kampfjets sich am Krieg in Afghanistan beteiligt.

Hans Baumann von der Gewerkschaft UNIA erinnerte daran, dass schon vor über dreissig Jahren konkrete Pläne geschmiedet und realisiert wurden die Rüstungsproduktion auf zivile Fertigung umzustellen. Die Mowag in Kreuzlingen stellte nicht nur Schützenpanzer sondern auch kommunale Fahrzeuge her. Die staatlichen Rüstungsbetriebe Ruag würden heute schon, nach eigenen Angaben, 50 Prozent für den zivilen Bedarf produzieren. Damals seien in der Schweiz zu dem als Alternative zur Rüstungsproduktion Energiesparmassnahmen vorgeschlagen worden, um die Abhängigkeit vom Import von Erdöl zu verkleinern: Häuser isolieren, Wärmepumpen installieren, statt für Milliarden neue Panzer anzuschaffen, die heute übrigens schon verschrottet würden. Im Nebeneffekt hätte dieses alternativ investierte Geld im zivilen Sektor ein Mehrfaches an Arbeitsplätze geschaffen als Investitionen in der Rüstungsproduktion, stellte Hans Baumann fest. An der Diskussion im Zeughaus nahm sogar ein Mitarbeiter des Rüstungskonzern Oerlikon-Contraves teil, der die Fabrikation von Kriegsmaterial verteidigte. Ein alter Teilnehmer an der Diskussion erinnerte daran, dass auf dem Kasernenareal noch vor einiger Zeit Rekruten exerzierten und über die Kampfbahn robbten. Heute werde das Kasernenareal zivil genutzt. Das sei doch ein schöner Ausblick auf die Zukunft: Schwerter zu Pflugscharen, Umnutzung von Militäranlagen und Umstellung der Rüstungsproduktion auf die Herstellung von zivilen Gütern. Schwerter zu Pflugscharen war das Symbol der DDR Friedensbewegung gewesen, die sich vor 20 Jahren gegen die Aufrüstung in Ost und West wehrte.

Updated: 4. Mai 2007 — 10:08
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