RüstungsInformationsBüro

Informationen zu Waffenproduktion und Rüstungsexporten

Bericht zur 10. Mitgliederversammlung des RIB e.V.

in Freiburg am 23. Februar 2008

RIB BRINGT LICHT INS DUNKEL DEUTSCHER WAFFENLIEFERUNGEN

Die rund fünfzig Zuschauer der gemeinsamen Filmvorführung des Freiburger RüstungsInformationsBüros (RIB e.V.) und der „Kampagne gegen Rüstungsexport“ bei Ohne Rüstung Leben wurden bei ihrem Besuch im Alten Wiehrebahnhof in Freiburg mit bedeutenden ethischen und wirtschaftspolitischen Fragen konfrontiert: Wie kann es sein, dass eine „christlich-soziale“ Bundesregierung Deutschland mit ganz legalen Rüstungsexporten auf Platz 3 der Weltwaffenlieferanten geführt hat? Legitimiert die Schaffung von Arbeitsplätzen in der deutschen Rüstungsindustrie den Tod Hunderttausender von Menschen in Kriegen und Bürgerkriegen durch den Einsatz deutscher Waffen? Den Anstoß zu einer lebhaften Diskussion hatte der Ludwigsburger Regisseur Jan-Hauke Hilberg mit seinem ebenso dynamischen wie provozierenden Film „Keine Kompromisse“ gegeben. Der Titel des Kurzfilms geht auf die Werbung „No Compromise“ der Rüstungsfirma Heckler & Koch (H&K) im schwäbischen Oberndorf zurück. (Der Film kann hier online angeschaut bzw. heruntergeladen werden.)

Im anschließenden Vortrag wies der neue RIB-Vorsitzende Jürgen Grässlin darauf hin, dass nach seinen Schätzungen „durchschnittlich alle vierzehn Minuten ein Mensch durch die Kugel aus dem Lauf einer H&K-Waffe“ sterbe. Seit der Firmengründung von Heckler & Koch im Jahr 1949 hätten „mehr als 1,5 Millionen Menschen auf diese Weise ihr Leben“ verloren. Das neue RIB-Vorstandsmitglied Roman Deckert aus Berlin erläuterte die Hintergründe der Zusammenarbeit zwischen H&K und dem US-Söldnerunternehmen Blackwater, dessen Mitarbeiter im Irak und Afghanistan mit H&K-Waffen schießen. Dies belege der aktuelle TV-Bericht des ARD-Magazins REPORT MAINZ, der auf der Basis von Deckerts Recherchen gedreht werden konnte. Mit Ausstrahlung der Sendung am Montag letzter Woche musste das Oberndorfer Unternehmen dem öffentlichen Druck nachgeben und jegliche Zusammenarbeit mit Blackwater aufkündigen.

Der beeindruckenden Filmvorführung folgte die seit der Vereinsgründung im Jahr 1992 nunmehr 10. Mitgliederversammlung des Freiburger RüstungsInformationsBüros. Die aus dem Amt scheidende RIB-Vorsitzende Virginia Edwards-Menz wies in ihrer Rede auf die zahlreichen Erfolge des bundesweit renommierten Vereins hin. „Am allerwichtigsten ist, dass wir in Stühlinger Straße in Freiburg das größte Rüstungsexportarchiv der Friedensbewegung aufbauen konnten und von jetzt an allen Interessentinnen und Interessenten umfassend Auskünfte zur deutschen Waffenexportpolitik geben können.“ Edwards-Menz kündigte an, weiterhin aktiv beim RIB mitarbeiten zu wollen: „Wir werden auch in Zukunft in spektakulären Aktionen auf menschenverachtende Rüstungsexporte aufmerksam machen, auch auf die von LITEF in Freiburg.“

Zu ihrem Nachfolger im Amt des RIB-Vorsitzenden wurde Jürgen Grässlin gewählt, der bereits der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), den Kritischen AktionärInnen Daimler (KAD) und dem Deutschen Aktionsnetz Kleinwaffen Stoppen (DAKS) vorsteht. „Im Bündnis mit diesen und weiteren Friedensorganisationen werden wir die ‚Waldkircher Erklärung gegen Rüstungsexporte’ nutzen, um den Druck auf die Bundesregierung massiv zu erhöhen. Als eine Gesellschaft, die sich humanistischen und christlichen Werten verbunden fühlt, müssen wir aus dem Geschäft mit dem Tod aussteigen“, forderte Grässlin.

Neu in den RIB-Vorstand gewählt wurden neben Roman Deckert auch Günter Forst aus Emmendingen als Kassierer und Fabian Sieber aus Erfurt. Ihm obliegt die Koordination des Deutschen Aktionsnetzes Kleinwaffen Stoppen (DAKS) und – gemeinsam mit dem langjährigen RIB-Mitarbeiter André Maertens – die Erstellung des monatlich erscheinenden DAKS-Newsletters. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die deutsche Munitionsindustrie.

Rüdiger Bienstadt aus Wiesbaden wechselte vom Kassierer zum RIB-Vorstand mit den Aufgaben, den Kontakt zum „Fachkreis Rüstungsexport“ bei Ohne Rüstung Leben zu pflegen und sich um Fundraising zu kümmern. Ebenso im Amt bestätigt wurde der Freiburger Schüler Stephan Möhrle. Er verantwortet die beiden Unterrichtseinheiten „Krieg in Kinderköpfen“ und „Von der virtuellen Gewalt zum realen Schlachtfeld“. Zudem ist er für die Jugendarbeit und die Betreuung des Daimler/EADS-Archivs verantwortlich.

Erfreut aufgenommen wurde die Nachricht, dass allein an diesem Nachmittag sechs neue Vereinsmitglieder gewonnen werden konnten, darunter Prof. Wolfram Wette und Sabine Wölfle, Mitglied im SPD-Landesvorstand. Beide haben sich als Mitverfasser der „Waldkircher Erklärung gegen Rüstungsexport“ einen Namen gemacht. Sie wurden ebenso herzlich begrüßt wie die beiden Friedensaktivisten Gaby Bernreuther, von der Partei DIE LINKE, und Dr. Udo Hegar, langjähriger Leiter der gleichnamigen Freiburger Klinik.

Bild des neuen RIB-Vorstandes, klein, JPG

Bild des neuen RIB-Vorstandes, gross, TIF, 10,8 MB

(mit Mausklick rechts herunterladen)

Updated: 29. Februar 2008 — 16:27
RüstungsInformationsBüro © 2017 - Twitter: @Ruestungsinfo - youtube.com/ruestungsinfo - facebook.com/ruestungsinfo