RüstungsInformationsBüro

Informationen zu Waffenproduktion und Rüstungsexporten

DAKS-Newsletter März 2009 erschienen!

Am 7. und 8. März fanden in Rottweil und Oberndorf die Auftaktveranstaltungen für das Aktionsjahr „60 Jahre Heckler & Koch – Kein Grund zum feiern!“ statt. Der neue Newsletter berichtet über die Demonstration in Oberndorf, dokumentiert den Redebeitrag von Jürgen Grässlin im Rahmen der Abschlusskundgebung und präsentiert ein Interview mit den Aktivisten der Gruppe von „Nottingham against Militarism and Arms Export“ die mit in Oberndorf demonstriert haben. – Am 7. und 8. März, da war die Welt noch in Ordnung.

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DAKS-Newsletter März 2009

1. Protest gegen Heckler & Koch in Oberndorf

Für den 7.3.2009 hatten Ohne Rüstung leben, das RüstungsInformationsBüro Freiburg und die DFG-VK zu einer Demonstration gegen Heckler & Koch in Oberndorf a.N. aufgerufen. Etwa 120-140 Menschen kamen um gegen die Machenschaften eines der größten Produzenten von Kleinwaffen zu demonstrieren. Da Heckler & Koch der größte Arbeitgeber in Oberndorf ist (rund 750 Mitarbeiter) und nebenbei auch zu den größten Gewerbesteuerzahlern des Ortes gehört, ist Protest etwas, das in Oberndorf sonst eher selten vorkommt. Gerade deshalb hatten die Veranstalter sich vorgenommen eine „Jubel-Parade“ durch Oberndorf zu veranstalten, um auf diese Weise auf die Verstrickung der Stadt in das Geschäft mit dem Tod aufmerksam zu machen. Dem Demonstrationszug voran ging der Tod selbst, verkörpert durch einen Schauspieler. Bei der Abschlusskundgebung am Schuhmarkt, einem zentralen Platz in Oberndorf, erläuterte Jürgen Grässlin, warum ausgerechnet der Tod als Sinnbild gewählt wurde: „Seit rund fünfzig Jahren stirbt durchschnittlich alle 14 Minuten ein Mensch durch eine Kugel aus einer H&K-Waffe, die von Heckler & Koch entwickelt worden ist. Seit Gründung der Firma Heckler & Koch im Dezember 1949 wurden mehr als 1,5 Millionen Menschen mit H&K-Gewehren erschossen. Wer sich diese Opferzahlen vor Augen hält, kann zu dem Schluss kommen, dass Heckler & Koch die tödlichste deutsche Firma der Nachkriegsgeschichte ist.“

Möglich wurde diese beispielslose Todes-Geschichte nur durch die bereitwillige Unterstützung von Seiten der Politik, die über all die Jahre hinweg Exporte und Lizenzvergaben von HK-Waffen genehmigt hat und so legalisierte. Regierungswechsel hatten auf diese Kollaboration keinen Einfluss: „Als eine der letzten Amtshandlungen vergab die Bundesregierung unter Helmut Kohl 1998 eine Lizenz für die HK33 an die Türkei. Die Nachfolgeregierung von Gerhard Schröder und Joschka Fischer genehmigte die entsprechende Munitionslizenz.“ Dank dieser Exportpolitik sind Kleinwaffen von Heckler & Koch heute auf allen Schlachtfeldern der Welt und auf allen Kontinenten zu finden – mit der einzigen Ausnahme der Antarktis. So Jürgen Grässlin. Die große Präsenz von Medienvertretern lässt hoffen, dass auch in Oberndorf diese Tatsachen bald mehr Bekanntheit genießen, als noch heute.

Als ein direkter Erfolg der Demonstration kann auch die gelungene internationale Vernetzung des Protestes gewertet werden. Die Anreise einer Delegation der britischen Bürgerbewegung „Nottingham against Militarism and the Arms Trade“ lässt die Hoffnung aufkommen, dass im 60. Jahr des Bestehens der Firma Heckler & Koch nicht mehr nur der Waffenhandel international organisiert sein wird, sondern auch der Protest gegen ihn.

2. Keine Waffenhändler in unserer Stadt!

Interview mit Chris Cann, Friedensaktivistin aus Nottingham und Mitglied der Gruppe „Nottingham against Militarism and the Arms Trade“. Fragen und Übersetzung von Fabian Sieber.

1.) “Nottingham against Militarism and the Arms Trade” oder auch einfach “Notts Anti-Militarism”, das ist ein Netzwerk von Aktivisten in der Region Nottingham. – Wie kann man sich das vorstellen? Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Wir sind eine unabhängige Gruppe von Menschen aus der Gegend von Nottingham, die gemeinsam etwas gegen Militarismus und Waffenhandel tun wollen. Die Verhältnisse, aus denen wir kommen sind, genauso unterschiedlich, wie unser Alter. So haben wir eine Anzahl von Studierenden der Universität Nottingham mit dabei – obwohl es schon viele, viele Jahre her ist, seit ich eine von Ihnen war.

Wir haben keine formale Mitgliedschaft, aber ich würde schätzen, dass wir auf etwa 10-15 regelmäßig Aktive kommen und dann natürlich noch viele Leute mehr mobilisieren können, wenn wir besondere Aktionen planen.

Derzeit richten wir unsere Aufmerksamkeit vor allem auf eine Kampagne gegen Heckler & Koch, denn die haben ein Firmengelände in Nottingham und wir wollen keine Waffenhändler in unserer Stadt! So veranstalten wir monatliche Demonstrationen in der Nähe der Werkstore von HK und haben, ebenfalls jeden Monat, einen Informations-Stand im Stadtzentrum, über den wir die örtliche Bevölkerung über HK aufzuklären versuchen.

Andere Aktivitäten sind Briefe schreiben (nebenbei: wir haben auch eine Homepage!) und das Herstellen von Verbindungen, wo wir nur können.

Weil Nottingham bekannt ist für seine Schusswaffen-Kriminalität scheint es gerade deshalb auch so unangemessen, eine Waffenfabrik mitten in der Stadt zu haben.

Und dann fahren wir noch manchmal nach Deutschland, um mit euch zu protestieren!

2.) Heckler & Koch ist ein bekannter Kleinwaffen-Hersteller aus Deutschland. Weniger bekannt ist die Präsenz von HK in den USA und noch weniger bekannt ist die Existenz einer Zweigstelle im Vereinigten Königreich. – Was ist das für eine Tochtergesellschaft, die in Nottingham ihren Sitz hat?

Die Niederlassung in Nottingham ist verantwortlich für Waffengeschäfte mit dem britischen Inlands-Markt. Daneben werden über diese Zweigstelle Verkäufe und Dienstleistungen im internationalen Kleinwaffenhandel in Nicht-NATO-Ländern abgewickelt – etwa in Asien, Afrika, Süd- und Zentralamerika. Das schließt als Kunden die Armeen von Ländern wie Thailand, Nepal, Mexiko, Georgien, die Philippinen und Indonesien ein. Alle genannten Länder verfügen über moderne Waffen von HK und alle diese Länder werden von Amnesty International wegen der Verletzung der Menschenrechte angeklagt.

Das Unternehmen in Nottingham befindet sich auf einem Industriegebiet in Privateigentum, das durch keinerlei Schilder kennzeichnet wer oder was da angesiedelt ist. Wir glauben, dass dort zumindest Waffen gelagert und vielleicht auch dort zusammengesetzt werden. HK ist sehr besorgt über ihre Geheimhaltung – jedes Mal, wenn wir dort erscheinen, um gewaltlos zu protestieren, kommen auf jeden Demonstranten viele Polizisten. Darüber hinaus wissen wir, dass HK mit der Polizei Kontakt aufgenommen hat, die dann den örtlichen Radiosender, das Fernsehen und die Zeitungen darum gebeten hat, nicht über unsere Proteste zu berichten.

3.) Wenn man von Heckler & Koch einmal absieht – ist die Waffenindustrie in Nottingham ein relevanter Wirtschaftszweig?

Nottingham war eine Industriestadt und Waffen haben in der Vergangenheit eine Rolle gespielt.

Im Besonderen gab es eine Gewehr-Fabrik von Royal Ordnance, die ein großer örtlicher Arbeitgeber gewesen ist. Sie wurde 1915-1916 gebaut und 1936 durch die Regierung aufgekauft um die Produktion von Schweren Waffen fortzusetzen. Nach 1945 wurde die Produktion auf zivile Produkte umgestellt, bis die Regierung erneut Waffen wollte.

1985 privatisierte die Regierung die Fabriken von Royal Ordnance, die 1987 an British Aerospace verkauft wurden. British Aerospace hat auch die British Manufacture & Research Company übernommen und die Munitions- und Mittelkaliber-Sparte nach Nottingham verlegt.

1999 sind British Aerospace und GEC Marconi Land and Navel Systems dann zu BAE Systems fusioniert. Die Royal Ordnance Fabrik in Nottingham stellte ihren Betrieb 2001 ein, und die Fertigung wurde auf andere Produktionsstätten von BAE Systems verteilt.

In einer großen Munitionsfabrik auf der anderen Seite Nottinghams (Chilwell), starben 1918 bei einem Expolsionunfall 134 Arbeiter. Die Fabrik musste daraufhin für viele Jahre geschlossen werden.

Heutzutage liegt Rolls Royce nicht weit weg, die Fabriken in Hucknall und Derby betreiben. In Hucknall stellen sie Komponenten für die Triebwerke des Kampfflugzeugs Eurofighter Typhoon her; daneben ist Derby ihr internationaler Hauptsitz und der Ort, an dem zwei Atomkraftwerke sind.

Also ja, die Region ist seit Langem mit Tötungsmaschinen jeglicher Art verbunden. Nichtsdestoweniger sind sich nur wenige Einwohner Nottinghams der Gegenwart von Heckler & Koch bewusst – und wir wollen sie darüber aufklären.

Der industrielle Sektor ist inzwischen generell kein großer Faktor mehr in Nottinghams Ökonomie.

4.) Und was ist für die Zukunft geplant? Für das Mutterunternehmen in Oberndorf wurde von der Friedensbewegung in den frühen 1990er Jahren ein Plan zur Konversion entwickelt – aber nie umgesetzt. Wie ist das in Nottingham? Könnte ein vergleichbares Projekt dort Erfolg haben?

Wir brauchen erneuerbare Energie, und die Lage des Grundstücks der HK-Niederlassung in Nottingham wäre ideal für eine Solaranlage oder ein Windkraft-Werk. Früher wurden in Nottingham Fahrräder produziert; es wäre gut, wenn das in der Zukunft wieder passieren könnte.

Wir wissen nicht, wie viele Menschen bei HK in Nottingham arbeiten oder für was sie ausgebildet wurden, aber natürlich wäre Konversion ein Traum. Bevor das jedoch eine reale Möglichkeit wird, müssen wir noch einen sehr, sehr weiten Weg zurücklegen.

Bis dahin versuchen wir ihnen ihr Tun zu verleiden und ihnen zu zeigen, dass sie in Nottingham nicht willkommen sind. Wir müssen abwarten, was die Zukunft bringen wird, aber wir werden nicht zurückweichen!

Vielen Dank für das Interview!

3. »60 Jahre Heckler & Koch: Kein Grund zum Feiern!« – Redebeitrag von Jürgen Grässlin anlässlich der »Maskerade des Todes« in Oberndorf

Der nachfolgende Text wurde redaktionell leicht gekürzt. Eine vollständige Fassung ist auf der Homepage des RIB abrufbar.

Am 28. Dezember 1949 gründeten drei Ingenieure der Oberndorfer Waffenfirma Mauser – Heckler, Koch und Seidel – das neue Unternehmen Heckler & Koch. Bereits im Jahr 1951 erfolgte die Vorführung des ersten Prototyps für das spätere G3-Gewehr vor dem spanischen Diktator Francisco Franco. Im Juli 1955 begann Serienfertigung von 5000 Sturmgewehren für die spanischen Streitkräfte. Angesichts der schrecklichen Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs galt im Nachkriegsdeutschland zu Recht ein Waffenproduktionsverbot. Anfangs entwickelte die Firma Heckler & Koch zivile Produkte – und begann dennoch schnellstmöglich wieder mit der Waffenproduktion. […]

Im Jahr 1952 erfolgte die Verlagerung der Firmenzentrale aus dem engen Neckartal in den oberhalb gelegenen Stadtteil Oberndorf-Lindenhof, die frühere Adolf-Hitler-Siedlung. 1958 erwarb der Bund die G3-Lizenz. In den Folgejahren wurde das Sturmgewehr zur Standardwaffe der Bundeswehr.

In einer CDU/CSU-SPD-FDP-Allparteienkoalition vergaben die Bundesregierungen in den Sechziger und Siebziger Jahren fünfzehn G3-Lizenzen zum Nachbau des Schnellfeuergewehrs […] Kein anderes Gewehr kann derart viele Lizenzvergaben verzeichnen. Damit tragen die Bundesregierungen, gleich welcher parteipolitischen Couleur, massiv Mitschuld an der Globalisierung des Handfeuerwaffenmarktes. […]

Nach Untersuchungen des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes sterben rund 63 Prozent – also zwei von drei Menschen – bei Kriegen und Bürgerkriegen durch Gewehrkugeln. […] Weltweit wurden und werden mit rund 11 Millionen Heckler & Koch-Waffen Menschen bei Kriegen und Bürgerkriegen getötet. Unerbittlich tickt die Heckler-Uhr. Seit rund fünfzig Jahren stirbt durchschnittlich alle 14 Minuten ein Mensch durch eine Kugel aus einer H&K-Waffe, die von Heckler & Koch entwickelt worden ist. Seit Gründung der Firma Heckler & Koch im Dezember 1949 wurden mehr als 1,5 Millionen Menschen mit H&K-Gewehren erschossen. Wer sich diese Opferzahlen vor Augen hält, kann zu dem Schluss kommen, dass Heckler & Koch die tödlichste deutsche Firma der Nachkriegsgeschichte ist. […]

Seit einem halben Jahrhundert sind Heckler & Koch-Waffen auf den Schlachtfeldern in aller Welt im Einsatz. Schuld daran sind neben den Direktexporten auch die Lizenzvergaben an NATO-Staaten. […]

Mehrere der NATO-Staaten setzten H&K-Waffen bei Kriegen ein oder exportierten H&K-Lizenzwaffen an andere Staaten. Beispielsweise führte Portugal mit den G3-Lizenzgewehren Kolonialkriege in Afrika, der französische Lizenznehmer exportierte Anfang der 70-ger G3 an das diktatorische Regime von Idi Amin in Uganda.

Mitte 2006 schloss H&K den Modernisierungsauftrag für 350.000 SA-80-Gewehre der britischen Armee ab, die diese Waffen u.a. im Irakkrieg einsetzte. Auch Spezialeinheiten der US-Army kämpfen mit H&K-Waffen im völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Irak. Gerade bei NATO-Spezialeinheiten finden sich H&K-Waffen an vorderster Front. Auch das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr, zu deren Einsatzschwerpunkten Aufklärung, Terrorismusbekämpfung, Kommandokriegsführung zählen, setzt vornehmlich auf H&K-Waffen bei seinen Kampfeinsätzen – auch in Afghanistan. […]

Unzählige Menschen führen als körperlich Verstümmelte oder psychisch Traumatisierte ein vergleichsweise menschenunwürdiges Leben. Vielen von denen, die den Beschuss mit H&K-Waffen überlebt haben, fehlen Gliedmaßen oder sie tragen Kugeln bzw. deren Splitter im Körper, die man durch ihre Haut ertasten kann. […] Die meisten Opfer leben auf anderen Kontinenten und bleiben unbekannt. Ein Schuss aus einem H&K-Waffe reicht aus, einen Menschen von einer Sekunde zu andern zeitlebens zum Krüppel zu machen. Die meisten Opfer können aufgrund ihrer Traumatisierung nicht einmal sagen, mit welcher Waffe sie verstümmelt wurden. […]

An Absurdität schwerlich überbietbar ist die Tatsache, dass Heckler & Koch im Jahr 2000 den »Deutschen Arbeitsplatzinvestor-Preis« in der Kategorie »Schwerbehinderte« zugesprochen bekommen hat.

Auch Guerillaeinheiten schätzen die Treffgenauigkeit der H&K-Waffen, wie der Sendero Luminoso in Peru, die FARC in Kolumbien und die PKK in Türkisch-Kurdistan. Das Logo der RAF zierte eine MP5-Maschinenpistole. Im März 2003 wurde der serbische Ministerpräsident Goran Djindjic mit einem G3-Scharfschützengewehr erschossen.

Fotografien belegen den Einsatz von MP5-Maschinenpistolen bei Hamas-Kämpfern im Gaza-Streifen Anfang 2009 und bei Menschenrechtsverletzungen seitens der Taliban im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan. Heckler & Koch hat in Söldnermagazinen wie Soldier of Fortune für seine Waffen geworben. In aller Welt schießen Söldner mit H&K-Waffen. Die US-Söldnerfirma Blackwater setzte G36-Gewehre im Irak und gleichsam in Afghanistan ein. Vielzählige weitere Beispiele ließen sich aufführen. […]

Angesichts von derzeit rund 40 stattfindenden Kriege und Bürgerkriege hat Heckler & Koch – selbst in Zeiten der Wirtschaftskrise – scheinbar keine Absatzprobleme. Der Jahresumsatz von H&K beträgt etwa 150 Millionen Euro, die erteilten und erwarteten Aufträge summieren sich auf rund 700 Millionen Euro. Selbst in den für das Jahr 2011 anstehenden Rückzahlungen einer Anleihe von über 120 Millionen Euro sieht H&K-Chef Andreas Heeschen »daher kein großes Problem«. […]

Bei ihrem 16. Gewerkschaftstag forderte die IG-Metall 1989 »alle Gliederungen der Organisation auf, die Initiativen zur Rüstungskonversion in den Betrieben und Regionen auch weiterhin zu unterstützen… Die Sicherung oder Schaffung von Arbeitsplätzen darf nicht als Argument gegen Abrüstung bzw. für mehr Rüstungsproduktion und Waffenexport missbraucht werden.« In Oberndorf scheint die IG Metall diese Aufforderung schlichtweg zu ignorieren.

Doch unser Zauberwort heißt noch immer Konversion. Die Umstellung auf eine sinnvolle zivile Fertigung schafft nicht nur neue, sondern auch ethisch und moralisch verantwortbare Arbeitsplätze. Wir strecken jeder und jedem die Hand aus, die sich dem Geschäft mit dem Tod verweigert. […]

Heckler & Koch setzt fast ausschließlich auf Waffenproduktion und Rüstungsexporte statt auf Rüstungskonversion. 60 Jahre nach Gründung der Firma Heckler & Koch gibt es keinen einzigen Grund zum Feiern!

Für uns bedeutet das Wissen um die zahllosen Opfer des Einsatzes von H&K-Waffen den Auftrag, gerade in diesem Jahr engagiert gegen die Rüstungsexporte von Heckler & Koch einzutreten. Wir bieten der H&K-Geschäftsführung, den Mitarbeiter/innen von H&K, der IG Metall, der baden-württembergischen Landesregierung und auch der für die Rüstungsexportpolitik verantwortlichen Bundesregierung Gespräche über die Erarbeitung von Konversionsprogrammen zur Umstellung auf eine sinnvolle zivile Fertigung an.

Wird dieses Angebot ausgeschlagen, dann bleibt nur eines: Wir fordern die Schließung von Heckler & Koch!

Vielen Dank!

4. Ein Geburtstagsgeschenk der Bundesregierung: 1000 Maschinenpistolen MP7

Einem Bericht des Spiegel zufolge wird ein Teil des geplanten Konjunkturpaketes der Rüstungsindustrie zu Gute kommen. Genauer gesagt: Heckler & Koch darf sich über einen Auftrag freuen. 1000 Maschinenpistolen MP7 sollen für die Bundeswehr angeschafft werden. 1000 Waffen dieses Typs stellen den Gegenwert von etwa 3 Millionen Euro dar. Darüber welche konjunkturpolitischen Ziele mit diesem Kauf erreicht werden kann man nur spekulieren. Heckler & Koch ist ein mittelständisches Unternehmen, das keine große Zuliefererindustrie beschäftigt. Und die Bundeswehr als Abnehmer erwirtschaftet mit den gekauften Waffen ebenfalls keinen ökonomisch bezifferbaren Mehrwert. – Vielleicht sollte man diesen Teil des Konjunkturpaketes als das verstehen, was es ist: Ein Geburtstagsgeschenk für Heckler & Koch auf Kosten des Steuerzahlers.

5. Wenn Rüstungsunternehmen um ihren Ruf fürchten: Der „Fall“ Stefan Aigner

Was ist der Unterschied zwischen Suchzünder-Munition, Punktzielmunition, Artilleriemunition mit Submunitionen und Streumunition? – Das ist eine Frage die die Opfer solcher Waffen zwar nicht interessiert, wohl aber die deutsche Justiz.

Am 2.3.2009 fand vor dem Landgericht München I eine Verhandlung statt. Geklagt hatte der deutsche Rüstungskonzern Diehl, der in der SIPRI-Statistik der größten Rüstungsfirmen der Welt Rang 58 belegt. Beklagt wurde Stefan Aigner, Journalist des Onlinemagazins „regensburg-digital.de“, der in einem Artikel anlässlich der Verleihung des Bayrischen Verdienstordens an Werner Diehl die Behauptung aufgestellt hat, die Firma Diehl würde Streubomben herstellen. Er meinte damit das Produkt SMArt 155 das als Kooperationsprojekt der Firmen Rheinmetall und Diehl entwickelt worden ist und seit 1999 im Rahmen eines Joint Ventures in Serie produziert wird. Die Bundeswehr verwendet diese Waffe unter der Bezeichnung DM702.

Grundlage für die Klage der Firma Diehl war das Abkommen von Oslo zum Verbot von Streubomben, in dem – u.a. auf Druck der Bundesregierung – nicht grundsätzlich alle Systeme verboten wurden die Submunitionen über einem Zielgebiet verteilen, sondern nur bestimmte (technisch veraltete) Waffen.

Um eine Verurteilung zu vermeiden hat Stefan Aigner sich auf einen Vergleich eingelassen: während Diehl die Gerichts- und Anwaltskosten trägt, verpflichtet sich Aigner die SMArt 155 künftig nicht mehr als „Streubombe“ zu bezeichnen.

Die Folgen dieser Vereinbarung sind noch nicht abzusehen. Klar ist: es handelt sich nicht um ein Grundsatzurteil – eine Aussage, dass die Bundeswehr auch nach dem Inkrafttreten des Vertrags von Oslo noch „sensorgesteuerte Streumunition“ verwendet ist nach Ansicht von Thomas Küchenmeister / Landmine.de nicht nur richtig, sondern auch legal.

Eine Übersicht über entsprechende, im Einsatz befindliche Produkte bietet eine von Landmine.de erstellte Broschüre „Alternative Streumunition: Problem oder Lösung“. – Die Artillerie-Granate SMArt 155 ist darin selbstverständlich auch zu finden. Mehrmals.

6. Afghanistan: Waffen verschwinden spurlos

Das US „Government Accountability Office“ hat einen Bericht vorgelegt laut dem die USA im Zeitraum zwischen Dezember 2004 und Juni 2008 rund 242.203 Kleinwaffen an die afghanischen Sicherheitskräfte geliefert haben – also Pistolen, Gewehre, Maschinengewehre, Granatwerfer, Minenwerfer u.ä. – von denen 87.000 Waffen spurlos verschwunden sind. Nun könnte man zynische Vergleiche aufstellen und betonen, dass 87.000 Waffen eigentlich gar nicht viel sind angesichts von 190.000 verschwundenen Waffen, die zwischen 2004 und 2005 an irakische Sicherheitskräfte geliefert wurden (DAKS berichtete darüber). Aber so traurig diese Sache auch ist, in gewisser Weise ist allein schon die Transparenz zu begrüßen, mit der die US-amerikanischen Stellen den Verlust aufgeklärt und beziffert haben.

Deutschland dagegen unterstützt den Krieg in Afghanistan seit Jahren mit umfangreichen Waffenlieferungen, tut jedoch nichts um eine vergleichbare Transparenz herzustellen. – So erreichte Afghanistan im Jahr 2007, dem letzten Jahr aus dem derzeit Zahlen über deutsche Rüstungsexporte vorliegen, sogar Rang 4 unter den wichtigsten Kunden Deutschlands. Um was für Waffen es sich dabei im einzelnen gehandelt hat, für wen sie bestimmt waren und wer sie heute besitzt, ist nicht sinnvoll nachvollziehbar. Der Rüstungsexportbericht nennt u.a. Kampfpanzer, die für die kanadische Armee bestimmt gewesen seien, da diese Lieferung jedoch nicht dem UN-Waffenregister mitgeteilt worden ist, scheint das entsprechende Geschäft zumindest suspekt.

Waffenexporte aus Deutschland (in Euro) nach Afghanistan

2001 Waffenembargo

2002 1.102.858.-

2003 4.042.679.-

2004 6.989.694.-

2005 5.678.238.-

2006 573.481.-

2007 180.030.895.-

2008 k.A.

2009 k.A.

Gesamt: 198.417.845.-

Vollkommen offen ist so auch die Frage, was aus den Kleinwaffen im Wert von 157.096 Euro geworden ist, die in den Jahren 2005 und 2007 nach Afghanistan geliefert worden sind.

Updated: 16. März 2009 — 10:58
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