RüstungsInformationsBüro

Informationen zu Waffenproduktion und Rüstungsexporten

Deutsche Rüstungsexporte seit 2004 um 70% gestiegen!

Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI hat die Zahlen für 2008 vorgelegt.

Daraus ergibt sich für den Zeitraum 2004 bis 2008:

Die BRD liegt auf Platz 3 der Waffenexport-Staaten.

Die EU ist der zweitgrösste Waffenexporteur weltweit.

Wen wundert´s bei einer Bundesregierung, die Rüstungsaufträge als Teil von Konjunkturprogrammen vergibt.

Quelle: SIPRI.org

Quelle: SIPRI.org


Erste Stellungnahmen aus Politik und Presse:

Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, Pressemitteilung von Inge Höger:

Deutschland bleibt Supermacht im Waffenhandel

„Noch vor Frankreich und Großbritannien kommt die Bundesrepublik auf den dritten Platz in der Hitparade des Todes, nur übertroffen von den alten Supermächten USA und Russland“, beklagt Inge Höger, abrüstungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE zum heute veröffentlichten Bericht des Stockholmer SIPRI-Institutes. Höger weiter:

„Ein großer Anteil der deutschen Exporte geht in Krisenregionen. Waffenlieferungen in wirtschaftlich schwache Regionen verhindern zudem, dass dort in die zivile Entwicklung investiert wird. Durch die äußerst exportfreundliche Haltung der Bundesregierung ist es der deutschen Rüstungsindustrie gelungen, ihren Anteil am globalen Geschäft mit dem Tod von sieben Prozent auf zehn Prozent in den letzten fünf Jahren auszubauen. Das entspricht einem Wachstum von 70 Prozent im gleichen Zeitraum.

Die stärksten Zuwächse verzeichnet der Waffenhandel in den Nahen und Mittleren Osten: Der Waffenhandel in diese Krisenregion stieg um 38 Prozent. Deutschland hat hierzu unter anderem durch Waffenlieferung an die Vereinigten Arabischen Emirate und das kriegführende Israel beigetragen. Die etablierte Politik steht dem mit unerträglicher Ignoranz gegenüber: Erst im April diesen Jahres wurde ein Antrag auf den Stopp deutscher Waffenexporte in die Region durch den Bundestag abgelehnt.

Neben dem Nahen Osten gehören auch China, Indien und Südkorea zu den größten Empfängern vonWaffenlieferungen. Die Exportländer tragen so zur globalen Destabilisierung in nahezu allen Regionen dieser Welt bei: So sind die US-Waffenexporte ins destabilisierte Pakistan vor allem im vergangenen Jahr rapide angestiegen. Konflikte von heute werden nach altem Muster angeheizt und die von morgen vorbereitet.

DIE LINKE fordert ein sofortiges Verbot sämtlicher Waffenlieferungen in Kriegs- und Krisengebiete, rechtsverbindliche Regelungen und konsequente Kontrollen. Die Finanzierung dieser Geschäfte über Steuergelder und Hermesbürgschaften muss ein Ende haben.“F.d.R. Beate Figgener

Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, Platz der Republik 1, 11011 Berlin

Pressesprecher Hendrik Thalheim, Telefon 030/227-5 28 00, Mobil 0172/39 14 261

Stellvertretender Pressesprecher: Michael Schlick, Tel. 030/227-5 00 16,  Mobil [0172/] 373 13 55

Telefax 030/227-568 01, pressesprecher@linksfraktion.de, www.linksfraktion.de


SIPRI Press Release, April 27th, 2009

Significant rise in arms deliveries to the Middle East, says SIPRI

(Stockholm, 27 April 2009) New data released today by Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) reveal a significant rise in arms transfers to the Middle East. There were also increases in arms deliveries to East Asia, the Caucasus and Pakistan. The USA remains the world’s largest exporter, followed by Russia and Germany. The completely updated data set, which is based on unbiased information gathered by the SIPRI Arms Transfers Programme, is accessible from today at www.sipri.org.SIPRI Researcher Pieter Wezeman comments on the 38% rise in transfers to the Middle East: ‘During the past five years, we have seen the re-emergence of the Middle East as a major recipient of conventional weapons systems. While we are a long way from the levels reached in the early to mid-1980s, this is still a worrying trend in a region beset by multiple sources of potential conflict and limited intergovernmental trust and transparency.’

Impact of the global financial crisis and falling oil prices

While the global financial crisis and falling oil prices are clearly going to have a significant impact on the global arms trade in the years ahead, it is too soon to demonstrate the impact of the crisis. However, there are early signs of countries delaying or cancelling purchases.

According to Dr Paul Holtom, Head of the SIPRI Arms Transfer Programme: ‘While certain states—including Brazil, Indonesia, Malaysia, and Morocco—may look to tighten their belts, others—such as Taiwan and the UAE—are boosting their military capabilities. At a time when the world needs cooperative solutions to global problems, the thriving international arms market points to a squandering of resources which the international community can ill afford.‘

Other notable developments

  • The average volume of worldwide arms transfers for 2004–2008 was 21 per cent higher than the period 1999–2003, when the level was the lowest since the 1960s.
  • Russian arms exports were 14% higher in 2004–2008 than in 1999–2003, although its overall share of the global market remained roughly the same. This increase was largely due to rapid increases in deliveries to Asia, Africa and Latin America.
  • The United States remains the world’s largest exporter of military equipment, accounting for 31% of global arms exports for the period 2004–2008. During this period, 37% of US deliveries went to the Middle East.
  • Transfers of major conventional weapons systems to China fell dramatically in 2007 and 2008, as China shifts its focus to domestic procurement. China placed no new ‚big ticket‘ orders for combat aircraft and naval vessels with Russia in 2007 and 2008.
  • The volume of deliveries to Taiwan has also dropped significantly, falling 44% between 1999–2003 and 2004–2008. However, Taiwan signed a major arms deal with the United States in late 2008.
  • There were increasing volumes of transfers in the period 2004–2008 to states involved in armed conflict in 2008, such as Afghanistan, Georgia, Israel, Pakistan, Sri Lanka.

The SIPRI Arms Transfer Programme experts

For information on Latin America, Western Europe and Central Europe:

Mark Bromley, Email: bromley@sipri.org; Tel: + 46 8 655 97 36

For information on Asia, Africa, Eastern Europe, Middle East, Russia and the USA:

Dr Paul Holtom, Email: holtom@sipri.org; Tel: + 46 8 655 97 72

Stockholm International Peace Research Institute – www.sipri.org

in the ‘Think Tank Index’ issued by the journal Foreign Policy.

Established in 1966, SIPRI is an independent research institute focusing on international security, arms control, and disarmament. SIPRI has built its reputation on authoritative, balanced research, including its flagship publication, the SIPRI Yearbook. SIPRI was recently named as one of the world’s leading think tanks.


„Der Tagesspiegel“ vom 28.4.2009

Deutsche Waffenexporte steigen stark

Friedensforschungsinstitut Sipri: in fünf Jahren 70 Prozent mehr

Berlin – Deutsche Rüstungsexporte sind nach Erhebungen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri in den vergangenen fünf Jahren um 70 Prozent gestiegen. Deutschlands Weltmarktanteil am Waffenhandel erhöhte sich im gleichen Zeitraum von sieben auf zehn Prozent. Den Gesamtwert der deutschen Rüstungsexporte in den letzten fünf Jahren bezifferte Sipri auf 11,5 Milliarden Dollar, rund 8,7 Milliarden Euro.

Allein die Ausfuhren an europäische Länder haben sich laut dem Stockholmer Institut in den Jahren 2004 bis 2008 gegenüber dem Zeitraum von 1998 bis 2003 mit einer Zunahme von 123 Prozent mehr als verdoppelt. Die wichtigsten Empfänger deutscher Rüstungsgüter seien Griechenland und die Türkei, dicht gefolgt von Südafrika. Im weltweiten Exportvergleich liege Deutschland inzwischen auf dem dritten Platz – hinter den USA und Russland. An vierter und fünfter Stelle folgen Frankreich und Großbritannien. Weltweit stiegen die Rüstungsexporte in den Jahren 2004 bis 2008 gegenüber 1998 bis 2003 um 21 Prozent. Besonders massiv aufgerüstet wurde dabei in der Konfliktregion Nahost.

In ihrem bisher letzten Rüstungsexportbericht, der Ende 2008 veröffentlicht wurde, hatte die Bundesregierung angegeben, dass im Vergleich zu 2006 im Jahr 2007 weniger Kriegswaffen und andere Rüstungsgüter aus Deutschland exportiert wurden. Tatsächlich gab es aber insgesamt mehr Genehmigungen für Exporte als in den Jahren zuvor. Der Trend zum vermehrten Export von Rüstungsgütern wird nun von Sipri bestätigt.

Dass die Ergebnisse des Stockholmer Instituts so viel anders klingen als die der Bundesregierung, erklären Experten mit unterschiedlichen Erhebungsmethoden. Während Berlin jeweils Statistiken für ein Jahr veröffentlicht, betrachtet Sipri Entwicklungen im Fünfjahresrhythmus. Die Berichte der deutschen Regierung beziehen sich zudem auf die Exportgenehmigungen, nicht jedoch auf die realen Ausfuhren. Angaben zum tatsächlichen Export gibt es nur für Kriegswaffen, die im Kriegswaffenkontrollgesetz erfasst sind, etwa Panzer oder Hubschrauber. Ein einzelnes Panzerrohr oder Radargerät gehören zum Beispiel nicht dazu – dessen Ausfuhr fällt unter das Außenwirtschaftsgesetz. Sipri allerdings zählt auch diese Komponenten zu Kriegswaffen.

Die Oppositionsparteien im Bundestag kritisierten die Rüstungspolitik der Regierung als „mangelnd transparent“. FDP und Grüne beklagten, die parlamentarische Kontrolle der Rüstungsexporte reiche nicht aus. Es entstehe vielmehr der Eindruck, als ob bestimmte Daten zurückgehalten werden sollten, sagte Gudrun Kopp, welthandelspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion. tja/krs


„Der Stern“ vom 27.04.2009

Deutsche Rüstungsexporte legen um 70 Prozent zu

Die deutschen Rüstungsexporte sind in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 70 Prozent gestiegen. Das geht aus einer Studie des Stockholmer Friedensforschungsinstituts hervor. Damit liegt Deutschland weltweit auf Platz drei der Rüstungsexporteure.

Wie das „Stockholm International Peace Research Institute“ (SIPRI) am Montag mitteilte, haben die Rüstungsexporte aus Deutschland in den letzten fünf Jahren um mehr als 70 Prozent zugenommen. Mit einer Steigerung von 123 Prozent haben sich die Ausfuhren an europäische Abnehmer sogar mehr als verdoppelt. Insgesamt hat Deutschland von 2004 bis 2008 laut SIPRI Rüstungswaren im Gesamtwert von 11,5 Milliarden Dollar exportiert.

57 Prozent aller deutschen Rüstungsexporte gingen an europäische Abnehmer. Die wichtigsten Abnehmerländer waren die Türkei (15,2 Prozent), vor Griechenland (12,9 Prozent) und Südafrika (12,4 Prozent). Vor allem Panzer vom Typ Leopard-2A4 und teilweise im Ausland unter Lizenz hergestellte U-Boote waren besonders gefragt. „Dahinter steckt keine spezielle Strategie“, so der zuständige SIPRI-Experte Mark Bromley. „Im Moment sind eben gerade Waffensysteme wie U-Boote gefragt. Da gehört Deutschland zu den wenigen Ländern, die liefern können.“

Deutschland hat seinen Weltmarktanteil am Waffenhandel im letzten Fünf-Jahres-Zeitraum von sieben auf zehn Prozent gesteigert. Mehr Rüstungsgüter führten nur noch die USA (31 Prozent) und Russland (25 Prozent) aus. Die SIPRI-Zahlen über deutsche Rüstungsausfuhren liegen in der Regel deutlich höher als offizielle heimische Angaben, weil das Stockholmer Institut auch den Handel mit gebrauchter Militärausrüstung sowie andere Formen mit Militärhilfe mit einrechnet.

Auch weltweit sind die Rüstungsexporte in den letzten fünf Jahren gestiegen, und zwar um 21 Prozent. Besonders massiv wird dabei in der Konfliktregion Nahost aufgerüstet. Die Ausfuhren an diese Länder stiegen um 28 Prozent und machten 18 Prozent des Handels mit Rüstungsgütern überhaupt aus.

Russland steigerte seine Rüstungsausfuhren um 14 Prozent und belieferte vor allem Länder in Asien, Afrika und Lateinamerika. China etablierte sich immer mehr als Waffenhersteller und drosselte deshalb die Rüstungseinfuhren als bisher mit Abstand wichtigster Importeur von Waffen.

DPA

http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/:Studie-Deutsche-R%FCstungsexporte-70-Prozent/662146.html


taz 28.4.09

Deutsche Exporte steigen massiv

So rüstig wie nie

Deutsche Rüstungsexporte stiegen in den vergangenen fünf Jahren um 70 Prozent. Hauptabnehmer waren Griechenland und die Türkei.

VON ULRIKE WINKELMANN

Das Volumen der deutschen Rüstungsexporte hat in den Jahren 2004 bis 2008 gegenüber dem Zeitraum 1999 bis 2003 um 70 Prozent zugenommen. Der Großteil dieses Anstiegs, schreibt das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri in einem am Montag veröffentlichten Bericht, ist auf den innereuropäischen Export zurückzuführen, „der um 123 Prozent anwuchs“. Hauptabnehmer waren Griechenland und die Türkei, die zusammen allein ein Drittel der deutschen Waren aufkauften.

Damit ist Deutschland der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. Im Zeitraum von 2004 bis 2008 betrug der deutsche Anteil am weltweiten Rüstungsexport nach Sipri-Angaben 10 Prozent. Mehr Waffen exportierten nur die USA (31 Prozent) und Russland (25 Prozent). In den Jahren 1999 bis 2003 lag Deutschland noch bei 7 Prozent. Den Gesamtwert der deutschen Rüstungsexporte in den vergangenen fünf Jahren bezifferte Sipri auf 8,7 Milliarden Euro.

Exportschlager waren dabei vor allem neue und gebrauchte Leopard-2-Panzer sowie U-Boote und andere Kriegsschiffe. Griechenland und die Türkei unterhalten beide relativ starke Wehrpflichtarmeen und brauchen deshalb viel Gerät. Laut dem jüngsten Rüstungsexportbericht der deutschen Bundesregierung hat Deutschland allein im Jahr 2007 an Griechenland 173 Kampfpanzer der Typen Leopard 1 und 2 geliefert, an die Türkei 113 Leopard 2.

„Deutschland ist die Brennstoffzelle für den griechisch-türkischen Rüstungswettlauf“, sagte der Berliner Rüstungsexperte Otfried Nassauer gegenüber der taz. Ein Ende des griechisch-türkischen Wettrüstens ist trotz stark gesunkener Kriegsgefahr noch nicht in Sicht. Griechenland ist zwar hoch verschuldet, fühlt sich jedoch mit seinen 176.000 Soldaten von der 515.000 Soldaten starken Armee der Türkei bedroht.

Die deutsch-griechische Handelspartnerschaft leidet aber seit über zwei Jahren darunter, dass Griechenland mehrfach die Qualität gelieferter Ware – sogar der weltweit begehrten Leopard-Panzer – in Zweifel gezogen hat. So hat die HDW-Werftengruppe bei Athen ein U-Boot gebaut, das Griechenland jetzt nicht mehr bezahlen will, weil es angeblich schief im Wasser liege. Die jüngsten Geschäfte hat die Regierung von Kostas Karamanlis schon nicht mehr mit Deutschland, sondern mit Frankreich verhandelt und teils abgeschlossen.

Laut Berhard Moltmann von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung könnte der Höhepunkt der Belieferung Griechenlands und der Türkei bereits überschritten sein. Dafür spricht auch, dass im Vergleich der Empfängerländer beide Länder um mehrere Ränge zurückgefallen sind. Die 70-prozentige Zunahme des deutschen Exportvolumens in den vom Sipri-Institut verglichenen Fünfjahreszeiträumen sei zwar bemerkenswert, sagte Moltmann zur taz: „Doch könnten sich die Relationen in den kommenden Jahren wieder verschieben.“

Die Bundeswehr habe im Zuge ihrer eigenen Umrüstung ihr gebrauchtes Großgerät jetzt weitgehend verscherbelt. Die vorliegenden Exportzahlen der jüngeren Zeit zeigten außerdem, dass die deutsche Industrie sich umorientieren müsse und werde, sagte Moltmann: „Indien, Indonesien, Südamerika könnten die nächsten Märkte sein.“

Marc von Boemcken vom Bonner Friedensforschungsinstitut BICC sagte, es sei besonders bedenklich, dass Deutschland zu den Exporteuren gehöre, „die zur Militarisierung des Nahen und Mittleren Ostens beitragen“. Sipri misst für 2004 bis 2008 einen Anstieg der Exporte in diese Region um 38 Prozent.

http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/verkaufschlager-u-boot-214/


taz 28.04.2009

Die Scheichs decken sich mit Großwaffen ein

Ein Plus von 38 Prozent: Der Nahe und Mittlere Osten sind die neuen Märkte für die Rüstungsindustrie

BERLIN taz Die weltweit steigenden Waffenexporte finden vor allem im Nahen und Mittleren Osten neue Märkte. Um 38 Prozent ist der Export in diese Region in den Jahren 2004 bis 2008 im Vergleich zum Fünfjahreszeitraum zuvor gewachsen, teilte das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri am Montag mit.

„Wir haben in den vergangenen fünf Jahren ein Wiedererstarken des Mittleren Ostens als Hauptempfänger für konventionelle Waffen erlebt“, sagte Sipri-Forscher Pieter Wezemann. Zwar seien die Volumina der 1980er-Jahre noch lange nicht erreicht, doch bleibe dies ein Besorgnis erregender Trend.

Vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate rüsten auf: 34 Prozent aller Großwaffenexporte der Region gingen allein an Dubai, Abu Dhabi und Co, die damit neben Südkorea auf Platz drei der Hauptempfängerländer gelangten. Die Scheichs kaufen fast ausschließlich in den USA und Frankreich ein. Auch die Ausfuhr ins krisengeschüttelte und instabile Pakistan ist laut Sipri in jüngster Zeit stark gestiegen. 41 Prozent aller Lieferungen im untersuchten Zeitraum fanden allein 2008 statt – hauptsächlich aus den USA.

Insgesamt ist der Handel mit Kriegsgroßgerät laut Sipri in den vergangenen fünf Jahren gegenüber den Jahren 1999 und 2003 um 21 Prozent gewachsen. Die Stockholmer haben „erste Anzeichen“ gemessen, dass die globale Finanz- und Wirtschaftskrise dazu führt, dass Länder geplante Käufe verschöben oder ganz aufgäben. Stornierungen seien zwar zu erwarten, doch sei es insgesamt zu früh, die Auswirkung der Finanzkrise zu erkennen und zu bewerten.

China als größter Waffenimporteur der vergangenen zehn Jahre habe 2007 und 2008 sein Importvolumen bereits reduziert und steige auf Eigenbau um. Kein einziger Großauftrag für Kampfflugzeuge oder Kriegsschiffe sei in den vergangenen zwei Jahren an Russland ergangen.

Die Sipri-Daten werden international sehr ernst genommen, erfassen jedoch nur den Handel mit großem Kriegsgerät – vor allem mit Panzern, Kriegsschiffen, Kampfflugzeugen und U-Booten. Für Deutschland erstellt die Bundesregierung einen jährlichen Rüstungsexportbericht, der jedoch stets mit beträchtlicher Verzögerung herauskommt. Immerhin umfasst er aber auch den Handel mit „Kleinwaffen“, also Maschinengewehren und Ähnlichem sowie großenteils auch den Handel mit „Dual Use“-Gütern, die sowohl militärischen wie zivilen Zwecken dienen können.

Die Gründlichkeit der Erfassung durch die Bundesregierung wird dabei oft bezweifelt: So werde etwa der Wert der gebrauchten Leopard-Panzer, die in den vergangenen Jahren zu Hunderten in alle Welt geliefert wurden, nicht ausreichend bemessen, sagen Rüstungskritiker.

ULRIKE WINKELMANN

http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=a2&dig=2009%2F04%2F28%2Fa0043&cHash=1432058ae1


ZEIT ONLINE 27.4.2009

Rüstungsexporte

Deutsche Waffen für die Welt

Von Hauke Friederichs

Waffen „Made in Germany“ sind gefragt. Deutschland ist größter Rüstungsexporteur Europas und drittgrößter Waffenhändler der Welt – die Exporte steigen um 70 Prozent

Jahrelang schmückte sich Deutschland mit dem Titel Exportweltmeister – nun schlägt China mit seinen Ausfuhren die Produkte „Made in Germany“. Doch in einer Kategorie liegt Deutschland weiter vor China: Beim Verkauf von Waffen und Rüstungsgütern. Nur die Supermacht USA und Russland führen noch mehr Kriegsgerät aus. Doch mit dem Titel „führender Exporteur des Todes“ schmückt sich die hiesige Rüstungsindustrie nicht gern.

In den vergangenen fünf Jahren sind die deutschen Rüstungsexporte um 70 Prozent gestiegen – mehr als drei Mal so stark wie die weltweite Waffenausfuhr zwischen 2004 und 2008 insgesamt. Der globale Waffenhandel legte im gleichen Zeitraum um 21 Prozent zu. Die Zahlen stellte das Stockholmer Friedensforschungsinstitutes SIPRI am Montag in einer Studie vor. Der Gesamtwert der deutschen Rüstungsexporte von 2004 bis 2008 bezifferte SIPRI auf 8,7 Milliarden Euro.

Da die Ein- und Ausfuhren von Waffen stark schwanken, präsentieren die schwedischen Wissenschaftler stets die Ergebnisse von fünf Jahren. Seit 1950 analysiert das Institut den globalen Rüstungsmarkt.

31 Prozent der weltweit verkauften Waffen stammen aus den USA. Fünf der sechs größten Hersteller von Flugzeugen, Panzern und Kriegsschiffe kommen aus Nordamerika. Boeing, Lockheed Martin, Northrop Grumman, Raytheon und General Dynamics haben dort ihren Firmensitz.

Mit einem Viertel des Waffenhandels liegt Russland auf Platz zwei. Die bekannteste Schnellfeuerwaffe, die nach ihrem Erfinder Kalaschnikow benannte Ak-47, ist bei Sicherheitskräften ebenso beliebt wie bei Guerilla-Kommandos, Terroristen und Aufständischen.

Deutsche Rüstungsfirmen finden ihre Hauptabnehmer in der Türkei, Griechenland und Südafrika. In diesen Ländern sind besonders die Panzer vom Typ Leopard-2A4 und U-Boote gefragt. Auch in den Jahren 1999 bis 2003 lag Deutschland schon auf dem dritten Rang der größten Rüstungslieferanten, der Weltmarktanteil am Waffenhandel ist im letzten Fünfjahres-Zeitraum jedoch von sieben auf zehn Prozent gestiegen.

Aus Deutschland kommen einige der weltweit führenden Waffenproduzenten: Krauss-Maffei Wegmann baut und verkauft Panzer, ThyssenKrupp liefert Fregatten, Korvetten und U-Boote in die ganze Welt, EADS veräußert Kampfhubschrauber, Rheinmetall stellt Munition her, Diehl vertreibt Rüstungselektronik und Heckler & Koch führt Maschinenpistolen und Sturmgewehre aus.

Auf Platz vier und fünf der größten Waffenlieferanten liegen Frankreich und Großbritannien. Die Niederlande, die in der vorherigen Studie noch auf Platz fünf standen, haben weniger Waffen verkauft und liegen nun auf dem sechsten Rang vor Italien, Spanien und Schweden. Auffällig ist, dass europäische Staaten stark unter den Kriegsgeräte-Exporteuren vertreten sind.

Am meisten Waffen eingeführt haben zwischen 2004 und 2008 China, Indien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Südkorea und Griechenland. Chinas Einfuhren sind aber zuletzt stark gesunken. Mittlerweile produziert das Land viele Waffen selber. Taiwan, dessen Unabhängigkeit von China nicht anerkannt wird, senkte seine Ausgaben für Waffenimporte ebenfalls deutlich – um 44 Prozent. Der Staat schloss Ende 2008 jedoch noch einen umfassenden Rüstungskontrakt mit den USA ab.

Die Vereinigten Staaten belieferten zudem Südkorea mit Kriegsschiffen und Kampfjets. Seoul orderte unter anderem F15-Kampfbomber. Das Land steht in ständigem Konflikt mit Nordkorea, dessen kommunistisches Regime dem Süden immer wieder mit Krieg droht.

Insgesamt gehört Asien seit zehn Jahren zum wichtigsten Absatzmarkt der meisten westlichen und russischen Rüstungsschmieden. China und Indien stehen seit 1999 auf den ersten beiden Plätzen der Einkäufer. Die meisten Waffen bestellten beide Länder in Russland.

Besonders viele Waffen wurden zudem in den Nahen Osten geliefert. „Das ist ein Besorgnis erregender Trend“, sagte Pieter Wezeman von SIPRI. Denn in der Region gebe es zahlreiche Konflikte, schwache Staaten und wenig Transparent.

Zwischen 2004 und 2008 waren die Exporte in den Nahen Osten um 38 Prozent höher als zwischen 1999 und 2003. Größter Lieferant waren die USA. 37 Prozent der gesamten amerikanischen Rüstungsexporte gehen in diese Region, vor allem in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Israel, Irak und Saudi-Arabien. Amerikanische Konzerne lieferten 207 Kampfflugzeuge und 5000 Bomben in den Nahen Osten. Im vergangenen Jahr bestellten die Vereinigten Arabischen Emirate zudem verschiedene Rakentenabwehr-Systeme in den USA. In der Region führen das iranische Atomprogramm und die Fortschritte des Landes bei der Raketenentwicklung zu steigenden Rüstungsetats bei den Nachbarländern.

Die Sipri-Studie arbeitet nur mit den Zahlen aus offiziell genehmigten Exporten. Was darüber hinaus auf dem Schwarzmarkt veräußert wird, erfassen die Rüstungsforscher nicht. Experten gehen davon aus, dass die Waffenexporte in Wahrheit noch viel höher liegen.

Zum Thema

DIE ZEIT 15/2009: Deutschland ist Europameister des Waffenexports

Deutsche Kaufleute des Todes handeln mit Waffen im Wert von fast neun Milliarden Euro. So manche Lieferung landet in Krisengebieten – die Politik interessiert das nicht.

[http://www.zeit.de/2009/15/Ruestung-Deutschland]

DIE ZEIT 15/2009: Zwei heiße Kriege lassen Obamas Rüstungsausgaben steigen

Noch muss der neue Präsident der USA mehr Geld für Waffen ausgeben als sein Vorgänger. Aber die Wirtschaftskrise wird ihn zum Sparen zwingen.

[http://www.zeit.de/2009/15/Ruestung-USA]

DIE ZEIT 15/2009: Britische Waffenschmiede leben von den USA

Kampfjets, Atom-U-Boote, Flugzeugträger: Britisches Kriegsgerät hat eine lange Tradition – und wird von Amerika gerne genutzt.

[http://www.zeit.de/2009/15/Ruestung-Grossbritannien]

ZEIT ONLINE 13/2009: Händler des Todes

Der Waffenschmuggler Victor Bout sitzt in Untersuchungshaft in Bangkok. Bis Ende März will ein Gericht entscheiden, ob er in die USA ausgeliefert wird.

[http://www.zeit.de/online/2009/13/victor-bout]

http://www.zeit.de/online/2009/18/waffenhandel-deutschland


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Updated: 30. April 2009 — 10:49
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