RüstungsInformationsBüro

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Pressemitteilung: Einladung zur Verleihung des »Preises für Zivilcourage 2009« an Jürgen Grässlin

Im Anschluss an die Presseerklärung zitieren wir ein Interview der Tageszeitung taz mit Jürgen Grässlin zur Preisverleihung.

Pressemitteilung

  • Deutsche Friedensgesellschaft — Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK),
  • Kritische AktionärInnen Daimler (KAD),
  • RüstungsInformationsBüro (RIB e.V.),
  • Deutsches Aktionsnetz Kleinwaffen Stoppen (DAKS)

Frankfurt/Stuttgart/Freiburg, den 11. November 2009

Einladung zur Verleihung des »Preises für Zivilcourage 2009« an Jürgen Grässlin

Am Samstag, den 14. November 2009, erhält Jürgen Grässlin um 14.30 Uhr in der KULTURMÜHLE BUCHHAGEN bei Bodenwerder den »Preis für Zivilcourage 2009« der Solbach-Freise-Stiftung. Die Jury begründet ihre Entscheidung mit Grässlins »konsequentem Widerstand gegen die Rüstungslobby«. Mit ihrem Preis möchte die Stifterin Anne Solbach-Freise darauf hinweisen, »dass Zivilcourage in unserem Lande immer seltener wird – dass aber gerade diese Bürgertugend den Boden bildet für ein Umdenken im Einsatz für mehr Gerechtigkeit.« Der Preis ist mit 5000,- Euro dotiert.

Laut DIE ZEIT ist Jürgen Grässlin »Deutschlands bekanntester Rüstungsgegner«. Der Spiegel nennt ihn »Deutschlands prominentester Rüstungsgegner« und »Daimlers schärfster Widergänger«. Als Bundessprecher der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), Sprecher der Kritischen AktionärInnen Daimler (KAD), Sprecher des Deutschen Aktionsnetzes Kleinwaffen Stoppen (DAKS) und als Vorsitzender des RüstungsInformationsBüros (RIB e.V.) setzt er sich aktiv für konkrete Schritte zur Abrüstung ein.

Grässlin ist Autor einer Vielzahl kritischer Sachbücher über Rüstungs-, Militär- und Wirtschaftspolitik. Sein Werk »Das Daimler-Desaster« erreichte Platz 1 aller vier bundesdeutschen Wirtschaftsbestsellerlisten. In seinem Buch »Abgewirtschaftet?! Das Daimler-Desaster geht weiter« veröffentlichte Grässlin vertrauliche Daimler-Dokumente zu Graumarktgeschäften und zum »Rüstungs-Desaster« von Daimler/EADS. Für sein Buchprojekt »Versteck dich, wenn sie schießen« führte er Interviews mit 220 Opfern deutscher Gewehrexporte in Somalia und Türkisch-Kurdistan.

Der Friedensaktivist Grässlin ist Mitinitiator der Kampagne »Wir kaufen keinen Mercedes: Boykottiert Rüstungsexporte!« und der »Waldkircher Erklärung — Stoppt den Rüstungsexport!« Über Jürgen Grässlin wurden im /WDR/, /SWR, EinsExtra (ARD) /bzw./ /bei /Phoenix/ die biografischen TV-Dokumentationen »Einer gegen Daimler« von Sigrid Faltin und Peter Ohlendorf, »Das G3 im Visier« von Peter Ohlendorf und »Allein gegen die Waffenindustrie — Der Kampf des Jürgen Grässlin« von Katja Duregger gesendet.

Die unterzeichnenden Organisationen würden sich über Ihre Teilnahme an der Preisverleihung freuen. Herr Grässlin steht für Nachfragen und Interviewwünsche zur Verfügung.

Kontakt: Anne Solbach-Freise, Bodenwerder; Tel.: 05533-3656, _www.stiftung-zivilcourage.de/index.html_.

Jürgen Grässlin, j.graesslin@gmx.de , Tel.: 0761-7678208, Mob.: 0170-6113759, www.juergengraesslin.com

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Interview der Tageszeitung taz mit Jürgen Grässlin zur Preisverleihung (taz vom 14.11.09):

Anti-Rüstungs-Aktivist Jürgen Grässlin

„Audi ist waffenfrei“

Jürgen Grässlin kämpft seit fast zwei Jahrzehnten gegen die deutsche Rüstungsindustrie. Am Samstag zeichnet ihn dafür die Stiftung für Zivilcourage aus.

taz: Herr Grässlin, mit „Zivilcourage“ verbindet man etwa damit, bedrängten Menschen in der S-Bahn zu helfen. Sie bekommen von Mitarbeitern Unterlagen aus Waffenfirmen zugespielt. Zeigen die Zivilcourage am Arbeitsplatz?
Jürgen Grässlin: Zivilcourage ist für mich das offene Auftreten gegen Missstände. Informanten aus den Unternehmen müssen anonym bleiben. Sie sind aber enorm hilfreich, um argumentativ gut gewappnet gegen Rüstungskonzerne aufzutreten.
taz: Wer gibt Ihnen die Informationen?
Viele sagen, dass Waffenexporte notwendig seien, aber eben nicht an Staaten, die Menschenrechte verletzten. Auch wenn die Geschäfte offiziell mit Genehmigung der Bundesregierung getätigt werden.
taz: Was heißt Zivilcourage für Sie?
Zivilcourage leitet sich für mich von Courage, also Mut, und von Rage, also Wut, ab. Ich bin wütend, weil mehr als eine Milliarde Menschen hungert, mehr als 40 Kriege und Bürgerkriege toben. Deutschland ist der weltweit drittgrößte Waffenexporteur, gießt somit Öl ins Feuer dieser Kriege.
taz: Sie bekommen einen Preis, weil Sie gegen Heckler & Koch und gegen Daimler kämpfen.
Daimler ist über seine EADS-Beteiligung der größte Produzent und Exporteur von Großwaffensystemen in Deutschland. Durch einen Schuss aus einer Waffe von Europas größtem Hersteller von Pistolen und Gewehren, Heckler & Koch, stirbt alle 14 Minuten ein Mensch. Wir haben deren Werkstor mit hunderten von Schlössern verriegelt, deren Waffen symbolträchtig zersägt. Zudem habe ich die H&K-Opfer in Somalia und Türkisch-Kurdistan besucht. Es kann nicht sein, dass wir Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie trotz des Tods von Millionen Menschen legitimieren.
taz: Müsste ein Arbeitnehmer von Heckler & Koch aus Zivilcourage kündigen?
In der Waffenstadt Oberndorf ist die Rüstungsindustrie größter Arbeitgeber. Da verstehe ich die, die sagen, ich finde hier keine andere Arbeit. Wer sich ernsthaft ethische Gedanken macht, darf nicht bei H&K – Deutschlands tödlichstem Unternehmen – arbeiten. Beschäftigte dieses Unternehmens müssten fordern, die Produktion zivil umzustellen. Was nicht passiert.
taz: Haben Sie Ex-Daimler-Chef Jürgen Schrempp, über den Sie eine Biografie geschrieben haben, je eines Ihrer Bilder von zivilen Opfern deutscher Waffen gezeigt?
Meine Opferbilder stammen vom Einsatz der H&K-Gewehre. Wenn jemand von einem EADS-Helikopter aus der Luft bombardiert wird, kann man den Waffentyp hinterher selten ermitteln. Schrempp war in Gesprächen vor 1998 offen. Danach ging es offenbar nur noch um Profit.
taz: Trotz Ihres Kampfs ändert sich fast nichts, oder?
Das hätte ich Ende der 80er-Jahre gesagt. Seither können wir über die Kritischen AktionärInnen massiven Druck auf Daimler ausüben. Kann sich ein Autokonzern in der Krise weiter den Imageschaden leisten, Deutschlands größter Waffenproduzent zu sein? Ich glaube nicht. Für die Kampagne „Wir kaufen keinen Mercedes: Boykottiert Rüstungsexporte!“ finden wir auch prominente Unterstützer.
taz: Geben Sie mal einen Verbrauchertipp. VW baut doch auch Militärfahrzeuge.
Stimmt, aber VW stellt keine Waffen her. BMW ist lediglich über Rolls-Royce an der militärischen Triebwerkproduktion beteiligt. All das steht in keiner Relation zu den Großwaffensystemen, die Daimler/EADS fertigt.
taz: Zivilcourage heißt Audi fahren?
Audi ist waffenfrei. Abgesehen davon würde ich zivilcouragiert Fahrrad und ICE fahren.
INTERVIEW: INGO ARZT

Updated: 30. November 2009 — 14:01
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