RüstungsInformationsBüro

Informationen zu Waffenproduktion und Rüstungsexporten

„Arbeitsplatzargument darf für die Rüstungsindustrie nicht gelten“

Unter diesem Titel berichtet die Badische Zeitung über eine Podiumsdiskussion im Albaneum in Bad Krozingen:

Im Rahmen der 2. Sozialtage Südbaden veranstalteten die internationale katholische Friedensbewegung „pax christi“ und die „Katholische Arbeitnehmerbewegung“ (KAB) in der Erzdiözese Freiburg in Bad Krozingen einen gemeinsamen Abend zum Thema „Leben und Arbeiten in Europa — mit immer weniger Waffen“.

Im Anschluss an einen feierlichen Gottesdienst in der Kirche St. Alban mit Domkapitular Andreas Möhrle und Dekan Gerhard Disch diskutierten im Albaneum der Militärhistoriker und Friedensforscher Professor Wolfram Wette (Universität Freiburg), Reinhard Voß (pax christi Deutschland) sowie der Friedensaktivist Jürgen Grässlin (Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen und RüstungsInformationsBüro) und Professor Herbert Schweizer (KAB).

Dabei standen die Waffen- und Rüstungsexporte, die von Deutschland im allgemeinen und vom deutschen Südwesten im speziellen ausgehen, im Mittelpunkt der Diskussion. Denn von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, rücke Deutschland in Zeiten allgemeiner Rezession mit diesen Exporten zum „Europameister“ auf, wie eine Studie im Frühjahr dieses Jahres aufgezeigt habe. Als christliche Organisationen, die sich der Gewaltlosigkeit Jesu verpflichtet fühlen, möchten sich pax christi und KAB mit dieser Tatsache nicht abfinden und setzten mit der Veranstaltung in Bad Krozingen ein erstes Zeichen, künftig verstärkt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wie die Produktion von Rüstung zugunsten der Produktion lebensförderlicher und ökologischer Produkte voranzubringen sei.

„Was produziert wird, scheint vielen Produzenten gleichgültig, wenn es nur wirtschaftliches Wachstum und Profit verspricht“, so Professor Herbert Schweizer. Kritikern an diesem Geschäft mit dem Tod werde dann entgegnet, dass nur so Arbeitsplätze gesichert würden, und dass, „wenn wir es nicht produzieren, es eben andere“ täten.

Bereits in den frühen 80er Jahren seien Friedensbewegung und Gewerkschaften zur übereinstimmenden Meinung gekommen, dass an der enorm teuren Rüstung gespart und stattdessen dieses Geld in Soziales investiert werden müsse, so Reinhard Voss. Dies sei auch heute noch aktuell, denn es könnten — neben der politischen und ökonomischen Unsinnigkeit von Rüstungsproduktion — mit dem Geld, das für staatliche Subventionen an die deutsche Rüstungsindustrie und für Waffenkäufe aufgewendet werde, ungleich mehr Arbeitsplätze im Zivilbereich geschaffen werden.

Jürgen Grässlin unterstrich, dass kein Arbeitnehmer in Deutschland mit seinen Sozialsystemen in seiner Existenz gefährdet sei, sollte er sich gegen die Arbeit in einer Rüstungsfirma entscheiden. Zwar verurteile er niemals einen einzelnen Arbeitnehmer wegen dessen Arbeitsplatzwahl, doch halte er es grundsätzlich für ethisch verwerflich, mit dem Arbeitsplatzargument den Tod vieler Menschen in anderen Ländern zu befördern. Er selbst, sagte Grässlin, habe in Türkisch-Kurdistan und Somalia mit eigenen Augen gesehen, was beispielsweise deutsche Kleinwaffen anrichten können. Und was die Großwaffensysteme betreffe, die Deutschland exportiere, müsse sich beispielsweise jeder potentielle Käufer eines Mercedes ganz genau überlegen, ob er eine Firma unterstützen möchte, die über die European Aeronautics Defence and Space Company (EADS) an der Herstellung von Kampfflugzeugen oder Atomwaffenträgersystemen beteiligt sei, so Jürgen Grässlin, der sich auch als Sprecher der kritischen Aktionäre der Daimler AG einen Namen gemacht hat.

Grässlin erinnerte daran, dass es auch „vor der Haustüre“ in Neuenburg und Freiburg Unternehmen gebe, die an der Produktion von Rüstung und Waffen beteiligt seien. Reinhard Voss ergänzte, dass gemeinsame Kampagnen zwischen Friedens-, Gewerkschafts- und sozialen Bewegungen auch darüber nachdenken müssten, wie man über die Protestphase (mit öffentlicher Bewusstseins- und Vernetzungsbildung) hinaus dann auch zu einer „Verhinderungsphase“ komme.

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/kreis-breisgau-hochschwarzwald/arbeitsplatzargument-darf-fuer-die-ruestungsindustrie-nicht-gelten–23400621.html

Updated: 1. Dezember 2009 — 17:35
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