
Achern-Rench-Zeitung, 18.10.2002
Von Wolfgang Winter
Beim Katholischen Bildungswerk sprach der Referent für Friedensfragen, Paul Russmann, zum Thema "Kleine Waffen, große Wirkung - Der verheerende Effekt des Kleinwaffenexportes". Der engagierte Programmmacher Helmut Krings betonte in einem Pressegespräch, dass Veranstaltungen zur "Friedens- und Sicherheitspolitik zur Tradition des Bildungswerks gehören". Der aufrüttelnde Vortrag von Russmann, der zusätzlich eine gelungene Ausstellung im Acherner Josefshaus zeigte, fand leider nur wenig Resonanz.
Welche
Waffen zählt man zu den Kleinwaffen?
RUSSMANN: Dazu gehören unter anderem Revolver, Gewehre, Maschinenpistolen,
aber auch alle "leichten Waffen", wie zum Beispiel tragbare
Raketen- oder Granatwerfer. Die UNO bezeichnet sie als "Waffen
zum persönlichen Gebrauch."
Experten sagen: “Kleinwaffen sind die Massenvernichtungsmittel
des 21. Jahrhunderts”, wie viele gibt es überhaupt?
RUSSMANN: Weltweit existieren über 500 Millionen, davon befindet
sich die Hälfte im Privatbesitz. Etwa 100 Millionen zirkulieren
unkontrolliert außerhalb staatlichen Zugriffs.
Und was richten diese Waffen an?
RUSSMANN: Zirka 90 Prozent der Toten und Verletzten in den Kriegen
der Gegenwart sind Opfer von Kleinwaffen. In den letzten zehn Jahren
wurden rund drei Millionen Menschen durch Kleinwaffen umgebracht,
darunter meist Kinder und Frauen.
In der Dritten Welt sind Kleinwaffen überall erhältlich.
Sind denn moderne Waffen nicht sehr teuer?
RUSSMANN: In Uganda kostet eine Kalaschnikow so viel wie ein Huhn,
in Kenia kann man sie gegen eine Ziege eintauschen.
Hat die Verbreitung von Kleinwaffen auch mit der ansteigenden Zahl
der Kindersoldaten zu tun?
RUSSMANN: Ein Unicef-Mitarbeiter sagte: "Kindersoldaten sind
billiger, essen weniger und haben wenig Ansprüche." Weltweit
gibt es 300 000 bewaffnete Kindersoldaten.
Exportieren auch deutsche Firmen Kleinwaffen in die Dritte Welt?
RUSSMANN: Zum Beispiel gehören zu den Kooperationspartnern
der schwäbischen Rüstungsfirma Heckler & Koch unter
anderem der Sudan, Mexiko, Pakistan und der Iran. Auf Grund der
späteren, oft illegalen Weitergabe ist ihr Schnellfeuergewehr
G3 in 88 Staaten im Gebrauch. Es taucht wiederholt in Berichten
von Amnesty international über Menschenrechtsverletzungen auf.
Wie kann man die Flut der Kleinwaffen eindämmen?
RUSSMANN: Unsere Kampagne "Ohne Rüstung Leben" wendet
sich gegen weitere Exporte und Lizenzvergaben von Hand- und Faustfeuerwaffen.
Es wird auch gefordert, die deutschen Überschussbestände
nicht zu verkaufen, sondern zu verschrotten.
Und was ist mit den Arbeitsplätzen, zum Beispiel bei Heckler
& Koch?
RUSSMANN: Das ist eine Frage der Moral. Die Arbeiter und Angestellten
in den Fabriken des Todes müssen sich die Frage stellen, ob
sie es mit ihren Gewissen verantworten können, an der Herstellung
von Tötungswaffen mitzuwirken. Sie sollten dazu, nicht nur
aus christlicher Verantwortung, "Nein" sagen.