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Stand: 26.02.2005

“Eine Kalaschnikow kostet in Uganda soviel wie ein Huhn”

Achern-Rench-Zeitung, 18.10.2002

Paul Russmann referierte in Achern über “Kleine Waffen, große Wirkung”

Von Wolfgang Winter

Beim Katholischen Bildungswerk sprach der Referent für Friedensfragen, Paul Russmann, zum Thema "Kleine Waffen, große Wirkung - Der verheerende Effekt des Kleinwaffenexportes". Der engagierte Programmmacher Helmut Krings betonte in einem Pressegespräch, dass Veranstaltungen zur "Friedens- und Sicherheitspolitik zur Tradition des Bildungswerks gehören". Der aufrüttelnde Vortrag von Russmann, der zusätzlich eine gelungene Ausstellung im Acherner Josefshaus zeigte, fand leider nur wenig Resonanz.

Paul Russmann referierte in Achern über “Kleine Waffen, große Wirkung”Welche Waffen zählt man zu den Kleinwaffen?
RUSSMANN: Dazu gehören unter anderem Revolver, Gewehre, Maschinenpistolen, aber auch alle "leichten Waffen", wie zum Beispiel tragbare Raketen- oder Granatwerfer. Die UNO bezeichnet sie als "Waffen zum persönlichen Gebrauch."

Experten sagen: “Kleinwaffen sind die Massenvernichtungsmittel des 21. Jahrhunderts”, wie viele gibt es überhaupt?
RUSSMANN: Weltweit existieren über 500 Millionen, davon befindet sich die Hälfte im Privatbesitz. Etwa 100 Millionen zirkulieren unkontrolliert außerhalb staatlichen Zugriffs.

Und was richten diese Waffen an?
RUSSMANN: Zirka 90 Prozent der Toten und Verletzten in den Kriegen der Gegenwart sind Opfer von Kleinwaffen. In den letzten zehn Jahren wurden rund drei Millionen Menschen durch Kleinwaffen umgebracht, darunter meist Kinder und Frauen.

In der Dritten Welt sind Kleinwaffen überall erhältlich. Sind denn moderne Waffen nicht sehr teuer?
RUSSMANN: In Uganda kostet eine Kalaschnikow so viel wie ein Huhn, in Kenia kann man sie gegen eine Ziege eintauschen.

Hat die Verbreitung von Kleinwaffen auch mit der ansteigenden Zahl der Kindersoldaten zu tun?
RUSSMANN: Ein Unicef-Mitarbeiter sagte: "Kindersoldaten sind billiger, essen weniger und haben wenig Ansprüche." Weltweit gibt es 300 000 bewaffnete Kindersoldaten.

Exportieren auch deutsche Firmen Kleinwaffen in die Dritte Welt?
RUSSMANN: Zum Beispiel gehören zu den Kooperationspartnern der schwäbischen Rüstungsfirma Heckler & Koch unter anderem der Sudan, Mexiko, Pakistan und der Iran. Auf Grund der späteren, oft illegalen Weitergabe ist ihr Schnellfeuergewehr G3 in 88 Staaten im Gebrauch. Es taucht wiederholt in Berichten von Amnesty international über Menschenrechtsverletzungen auf.

Wie kann man die Flut der Kleinwaffen eindämmen?
RUSSMANN: Unsere Kampagne "Ohne Rüstung Leben" wendet sich gegen weitere Exporte und Lizenzvergaben von Hand- und Faustfeuerwaffen. Es wird auch gefordert, die deutschen Überschussbestände nicht zu verkaufen, sondern zu verschrotten.

Und was ist mit den Arbeitsplätzen, zum Beispiel bei Heckler & Koch?
RUSSMANN: Das ist eine Frage der Moral. Die Arbeiter und Angestellten in den Fabriken des Todes müssen sich die Frage stellen, ob sie es mit ihren Gewissen verantworten können, an der Herstellung von Tötungswaffen mitzuwirken. Sie sollten dazu, nicht nur aus christlicher Verantwortung, "Nein" sagen.

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